Der Analyse Zeitungsartikel – F.A.Z. und Süddeutsche

Der Analyse Zeitungsartikel ist für die Planung und Erfolgsmessung der Unternehmenskommunikation enorm wichtig.

Zum einen liefert der Analyse Zeitungsberichte eine wichtige Grundlage für die strategische Ausrichtung der Kommunikation eines Unternehmens. Zum anderen ist durch gezielte Untersuchungen möglich Kommunikationsmaßnahmen auf ihren Erfolg hin zu überprüfen. Wir stellen im Rahmen unserer Studien immer wieder fest, dass ausgerecht die sogenannte informativen Darstellungsformen des Journalismus mehr bewirken können als wir es schon geahnt haben. Die Daten, die wir bei der Analyse Zeitungsartikel gesammelt haben, bieten sich hierfür an, dies zu demonstrieren. Wir haben diese Daten bzw. Zeitungsartikel der F.A.Z und Süddeutsche Zeitung für die Untersuchung journalistischen Darstellungsformen herangezogen.

Ein Zeitungsbericht soll den Rezipienten möglichst gründlich, umfassend, sachlich und glaubwürdig über ein Ereignis oder Thema informieren. Im Gegensatz zur Meldung ist der Bericht äußerlich länger und beschränkt sich nicht auf reine Faktendarstellung. Er ist ausführlicher, erlaubt es, vereinzelte Stimmungen aufzunehmen, und sollte jede Art von Phantasie vermeiden.

Im Fachjargon spricht man von Informationsfunktion. In der Praxis haben deutsche Journalisten die Produktion von informationsbetonten Texte gemäß bestimmten Stilbüchern und Codices auszurichten. Das sei aus ethischen und spezifisch redaktionell-technischen Gründen notwendig.

 

Die untersuchte Texte wurden also unter Berücksichtigung kommunikationswissenschaftliche Aspekte ausgewählt. Sie behandeln stets ähnliche Themen. Alle Texte sind nach dem Prinzip der umgekehrten Pyramide aufgebaut – das Wichtigste zuerst. Sie sind als informationsbetonte Texte präsentiert. Das heißt, keiner davon steht z. B. unter der Rubrik Meinung oder ist durch sog. Präsignale/Hinweise explizit als meinungsbetont bzw. Kommentare von der jeweiligen Zeitungen angekündigt worden. Die Struktur aller Texte entspricht dem deskriptiven Stil, der konstitutiv für die Darstellungsform Zeitungsbericht ist. Das heißt die Art, wie diese Texte geschrieben werden, sollten die sachbetonten Realisierungsform entsprechen. Diese Form verweist auf die ebenfalls konstitutiven, typischen Textmuster von Zeitungsberichten, nämlich die Informationsfunktion ( I ) als Hauptfunktion.

Bei 28,2 % der untersuchten Zeitungstexten sind jedoch erhebliche Abweichungen in Bezug auf diese spezifischen Textmuster festgestellt worden

Dies widerspricht unserem gemeinsamen Wissen als deutscher Durchschnittsleser über diese journalistische Darstellungsform. Sprachliche Indikatoren und Formen mit denen die Journalisten ihre Einstellung zum Textthema und Intention signalisieren, haben bei diese Texten bestätigt, dass der Appell an den Leser, im Sinne von Meinungs- oder Verhaltensbeeinflussung, stärker ist, als bei typischen Zeitungsberichten geboten und erwartet wird. Weiterhin lässt sich in weitere Fällen aufgrund dieser Indikatoren erschließen, dass die Appellfunktion (A) zumindest gleichen Rang wie die Informationsfunktion einnehmen soll oder intendiert wird.

analyse_Zeitungsbericht_prototypen_zeitungsberichte

Abb. 1: Prototypikalität der Zeitungsberichten am Beispiel der F.A.Z und SZ | n = 400

In andere Fällen entspricht die Art, wie die thematische Entfaltung realisiert wurde, sogar der für Zeitungsberichte nicht konstitutiven meinungsbetonten Realisierungsform. Diese Formen verweisen auf die Appellfunktion, die in diesem Fall die Rolle der Hauptfunktion einnimmt. Das gilt für Zeitungsberichte als untypisch und entspricht nicht die Norm. Dieser Befund lässt sich in den obigen Diagram darstellen. Dabei werden durch die Verhältnissen der kommunikativen Funktionen den Grad der Normiertheit bzw. Prototypikalität der Darstellungsform Zeitungsbericht anteilig widerspiegelt.

Dieses Diagramm zeigt auch, dass bei ca. 70 % der Texte, die als Zeitungsbericht gelten sollen, ihre vorgegebenen und erwarteten Muster in der Tat realisiert werden und somit deren Einordnung erleichtert wird. Oder mit anderen Worten, dass, eine angemessene Rezeption wahrscheinlicher ist. Demzufolge können wir davon ausgehen, dass Sprachteilhaber der jeweiligen Kulturgemeinschaft die restlichen Texte für die Lösung der kommunikativen Aufgabe des Informierens als unangemessen ansehen bzw. andere kommunikative Funktion(en) erschließen könnten als erwartet.

Weiterhin ergab die Untersuchung, dass Zeitungsberichte nach dem Grad der Integration und Dominanz ihrer konstitutiven Text- bzw. Sprachmuster unterschieden werden können. Diese Unterscheidung erlaubt eine Gruppierung der Texte, wobei das Spektrum an möglichen Mischungen und (Stil-)Brüche der konstitutiven Textmuster von Zeitungsberichten in diesem Kontext wiedergegeben wird. Wir können also die Palette von typischen und untypischen Varianten dieser journalistischen Darstellungsform erfassen! Dazu folgendes Diagramm:

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Abb. 2: Spektrum der globalen Textmuster von Zeitungsberichten am Beispiel der F.A.Z und SZ | n = 400

Die oben im Diagramm nummerierten Hierarchien von Funktionstypen (Appellfunktion (A), Informationsfunktion (I) und Unterhaltungsfunktion (U)) bilden verschiedene Gruppen. Sie zählen, wie in Abbildung 1 gezeigt wurde, zu typischen und untypischen Mustern. Die erste Gruppe (1-4) von typischen Mustern (TM) sind insgesamt bei 71,8 % der untersuchten Texte entsprechend anteilig realisiert worden. Im dieser Gruppe finden wir also eine angemessene Realisierung der Textmuster, welche als die Journalistische Darstellungsform „Zeitungsbericht“ bekannt ist. Die zweite Gruppe von untypischen Mustern (UM) machen ca. 30 % unangemessener Texte aus. Sie repräsentieren die journalistische Darstellungsform Zeitungsbericht. Die einzelnen Muster beider Gruppen lassen sich wie folgt beschreiben:

Typisches Muster (TM) und Untypisches Muster (UM):
  1. (TM1): I > A: Informationsfunktion ist der Appellfunktion übergeordnet (bei 40,63 %).
  2. (TM2): I > A > U: Informationsfunktion ist der Appellfunktion und Unterhaltungsfunktion übergeordnet (bei 21,88%).
  3. (TM3): I > A|U: Informationsfunktion ist der unter sich gleichrangierende Appell- und Unterhaltungsfunktion übergeordnet (bei 6,25 %).
  4. (TM4): I > U > A: Informationsfunktion ist der Unterhaltungsfunktion übergeordnet, die wiederum der Appellfunktion übergeordnet ist (bei 3,125%).
  5. (UM5): I A > U: Informationsfunktion ist übergeordnet. Jedoch weist die Appellfunktion, die der Unterhaltungsfunktion übergeordnet ist, eine sehr starke Ausprägung auf (bei 6,25 %).
  6. (UM6): I A|U: Informationsfunktion ist übergeordnet. Jedoch weisen Appellfunktion und Unterhaltungsfunktion eine starke Ausprägung auf (bei 6,25 %).
  7. (UM7): A > I: Appellfunktion ist der Informationsfunktion übergeordnet (bei 6,25 %).
  8. (UM8): A|I > U: Appellfunktion und Informationsfunktion nehmen gleichen Rang ein, und sind der Unterhaltungsfunktion übergeordnet (bei 6,25 %).
  9. (UM9): A > I > U: Appellfunktion ist der Informationsfunktion übergeordnet, die wiederum der Unterhaltungsfunktion übergeordnet ist (3,125 %).
  10. (Nicht vorkommend) UM10: |I|, |A| oder |U| ist als einzige Textfunktion zu erkennen (bei 0 %).

Das angewendete  Untersuchungsmodell basiert auf Grundlage funktional-pragmatischer Ansätze sowie auf systemtheoretischen und textwissenschaftlichen Konzepte, wobei die Kompatibilität mit Alltagskategorien angestrebt wird. Wir nahmen daher als primäre Bezugsgrundlage der Untersuchung das Alltagskonzept von Text. So war es möglich die Prototypikalität und Funktionalität der Zeitungsberichten aus der Frankfurter Allgemeine Zeitung und Süddeutsche Zeitung in Abhängigkeit von einem kollektiven Wissen zu überprüfen.

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